Anwalt ist ein gut bezahlter Beruf. Selbstständige und Unternehmer suchen oft vergeblich nach geeigneten Anwälten. bram-naus-oqnVnI5ixHg-unsplash-scaled.jpg

Anwalt für Selbstständige und KMUs (Finden, Auswählen, Prüfen)

Heute geht es darum, wie Sie einen Anwalt/eine Anwältin für Ihr KMU oder Ihre Selbstständigkeit finden. Denn – sind wir mal ehrlich – ohne machts keinen Sinn.

Ich habe garantiert kein ganzes Jahr ohne Anwalt geschafft. Noch nie. Ok, bei 750.000,- € Jahresumsatz als Selbstständiger ist das vielleicht auch verständlich.

Aber genug von mir. Es geht um Sie.

Risiken ohne Anwalt

Egal ob Sie selbstständig sind oder angestellte:r Geschäftsführer:in. Sie und Ihre Unternehmung sind frei. Was heißt frei? Frei heißt, Sie können Ihre Verträge gegenüber anderen Unternehmen selbst gestalten. Auch wenn dies zu Ihrem Nachteil gereicht oder zu dem des Gegenübers.

Leider gibt es aber Gesetze gegen einseitige Vertragsgestaltung und Ihr Vertrag wird unwirksam. Oder doch nicht? Was gilt dann? Eben! Wenn man nicht Vertragsrecht im Studium hatte oder (wie ich) überhaupt nicht studiert hat, wird das ganz schnell unübersichtlich.

Sie können sich ja das meiste anlesen und ein bisschen Lehrgeld bezahlen. Dann wird das schon. Ha! Das habe ich auch gedacht. Turns out, Sie haben eine Obligation gegenüber Ihrem Unternehmen und den Angestellten darin, keine Dummheiten zu machen. Nicht nur moralisch, sondern auch gesetzlich. Selbst die Fehler Ihrer Mitarbeiter:innen hängen letzten Endes an Ihnen.

Und dann gibt es noch professionelle Betrüger oder einfach kriminelle Opportunisten. Davon gibt es jede Menge. Je nach Ihrer Arbeitsbelastung, Erfahrung und der Betriebsgröße können die Schäden, die so entstehen, ganz schnell sechs- oder siebenstellige Höhen erklimmen.

Ohne anwaltliche Beratung ist also ein bisschen wie russisch Roulette. Aber auch schlechte Anwälte gibt es zuhauf.

Risiken schlechter anwaltlicher Vertretung

Eine schlechte anwaltliche Vertretung birgt nicht die gleichen Risiken. Sie birgt aber andere, ebenso gefährliche. Zwar bekommen Sie auch von einem schlechten Anwalt manchmal einen guten Rat. Ähnlich dem blinden Huhn, dass auch mal ein Korn findet.

Leider stellt sich dann aber die Frage welcher Rat nun gut ist. Naturgemäß ist diese Frage von einem „Laien“ nicht bzw. nur im Nachhinein zu beantworten. Auch mittelmäßige und schlechte Anwälte sammeln Erfahrung. Dabei geht es aber leider oft um die Rechtfertigung und Vernebelung ihrer unterdurchschnittlichen Leistungen.

Jeder, der schonmal mit Schlechtleistung konfrontiert war, hat vermutlich die eine oder andere Erfahrung mit dilettantischen Rechtfertigungsversuchen gemacht. Manchmal haben wir sie vielleicht selbst schon benutzt. Wir merken uns also, frei nach dem hessischen Sprichwort: „Da geht’s de‘ Mensche‘ wie de‘ Leut.“ Sie treffen überall – auch im Rechtswesen – auf Fehler und deren Vertuschung.

Blindes Vertrauen

Ein weiterer Risikofaktor ist „blindes Vertrauen“. Wenn Sie Spezialist:in auf Ihrem Gebiet sind, werden Sie das kennen. Manche Kunden verlassen sich auf Sie, durch dick und dünn. Zumindest wünscht man sich als Unternehmer:in diese Art von Beziehung. Und das eben in beide Richtungen.

Wenn Sie also keinen Grund haben, Ihrem Anwalt oder Ihrer Anwältin zu misstrauen, werden Sie vermutlich auch nicht nach Fehlern suchen. Das macht das ganze so problematisch und wird Ihnen im Zweifel sogar noch als Schwäche ausgelegt. Hierfür habe ich leider kein Erfolgsrezept. Ich verweise auf die richtige Auswahl und Prüfung die später folgt.

Zuletzt stellt sich die Frage der Haftung. Wir als Unternehmer:innen haften ja schließlich auch für unsere Fehler, wenn es hart auf hart kommt.

Wenn Sie schonmal versucht haben, eine:n Anwalt:in in Haftung zu nehmen, werden Sie das kennen: Ein Jurastudium macht vielleicht nicht zwingend eine:n gute:n Rechtsvertreter:in aber sich selbst zu schützen fällt den Damen und Herren dann doch recht leicht. Insofern werde ich die Haftungsfrage in meinem nun folgenden Lösungsvorschlag nicht berücksichtigen.

Fassen wir vorher nochmal zusammen:

  • Ganz ohne Anwalt wird richtig teuer
  • Schlechte Anwälte sind für den Laien kaum zu erkennen
  • Jeder macht Fehler, auch Anwälte
  • Vertuschung ist ein extremes Warnsignal, wenn sie auffällt
  • Haftung ist unglaublich schwer durchzukriegen bei Anwälten

Lösungsansatz

Sie fragen sich jetzt sicher ob ich den Topanwalt oder die Topanwältin gefunden habe und keinerlei Probleme mehr habe. Ich denke es handelt sich dabei um ein Ideal, welches man nie zu 100% erreicht. Doch ich kann stolz behaupten, einige sehr fähige und ehrliche Rechtsvertreter kennengerlernt und beauftragt zu haben.

Anwalt richtig auswählen

Zunächst wollen Sie Ihren Rechtsbeistand nach der gleichen Methode auswählen, wie alle Ihre Lieferanten. Es handelt sich hier um einen sehr kritischen ebensolchen. Die Betriebsgröße sollte Ansatzweise zu Ihrer eigenen passen, sodass ein gewisses Verständnis für Ihre Themen inherent ist.

Dann geht es um lokale Erreichbarkeit. In Zeiten der COVID19 Pandemie und eventuell folgender ähnlicher Situationen ist das persönliche Treffen zwar eingeschränkt. Doch da bei Gericht oft noch Originalunterlagen benötigt werden, ist eine Anreise über mehrere Stunden und viele Kilometer nicht sonderlich hilfreich. Lokale Anwälte kennen sich auch oft besser mit den lokalen Gerichten aus, kennen manche Richter:Innen auch persönlich. Das hilft, um den Ausgang einer Verhandlung besser absehen zu können.

Weiter ist nun die fachliche Kompetenz gefragt. Erfahrungswerte mit Ihrer Branche, dem Fachgebiet in dem Sie (in Zukunft) Hilfe brauchen sind wichtig. Ansonsten erklären Sie neben dem eigentlichen Fall nochmal mindestens so viel zu den Besonderheiten Ihres Unternehmens, Ihrer Branche und Ihrer Gegner.

Wald und Wiesen Anwalt oder Fachanwalt?

Hier habe ich unterschiedlichste Erfahrungen gemacht. Wald und Wiesen Anwälte nennt man die, die keine Fachanwälte sind und eigentlich jedes Thema bearbeiten. Auch dort gibt es oft Spezialisierungen, die aber nicht Amtlich sind. Eine generelle Vertretung Ihres Unternehmens kann da gut funktionieren. Speziellere Themen sollte man aber eventuell dann wo anders hingeben.

Partnerschaft von Rechtsanwälten / mehrköpfige Kanzlei

Abgesehen von namhaften Großkanzleien gibt es noch ein „Mittelding“ nämlich die Partnerschaften und kleinen Kanzleien. Hier arbeiten mehrere Anwälte zusammen, die oft unterschiedliche Fachrichtungen betreuen. Der Vorteil dabei ist, dass Ihr (neuer) Anwalt im Zweifel eine:n Kolleg:in fragen kann, wenn es um Ihr Unternehmen geht.

Anwalt prüfen

Vor Sie eine Geschäftsbeziehung eingehen, sollten Sie sich gründlich über jeden Geschäftspartner informieren (glauben Sie mir). Das gilt doppelt für kritische Lieferanten wie Rechtsanwälte. Ist die Person oder Kanzlei erfolgreich, gibt es Referenzen oder Bewertungen, die Sie einsehen können? Ist beim Erstkontakt alles zu Ihrer Zufriedenheit verlaufen (Zuverlässig, schnelle Rückrufe, Verständnis für Ihre Lage, etc.)?

Lief das gut und haben Sie die ersten Fälle gemeinsam bearbeitet, sollten Sie ab und zu eine Zwischenbilanz ziehen. Natürlich sollten Sie auch offen für plötzliche Ungereimtheiten bleiben. Doch es bietet sich an, die Zusammenarbeit z.B. einmal im Jahr zu beleuchten. Wie war die Bilanz? Haben wir mehr gewonnen oder verloren? Musste ich mich stets einigen und war die Einigung gut? Oder habe ich ständig mit Rechtfertigungen zu tun? Wie ist das Feedback an mich? All diese Fragen und noch mehr gehören zu einer guten Lieferantenprüfung.

Was tun, wenn die Erfolgsbilanz negativ ist?

Wenn die Bilanz negativ ist, oder Probleme auftauchen, sollten Sie sich sachlich damit auseinandersetzen. Andere Anwälte werden relativ schnell subtil auf ihren Kollegen und Kolleginnen rumhacken, wenn dies zukünftige Aufträge verspricht. Neben dem Internet, können Sie auch Erfahrungen Ihrer Geschäftsfreunde und Partner zu Rate ziehen. Fakt ist: nur weil jemand sich immer wieder erfolgreich rechtfertigt, müssen Sie das nicht akzeptieren. Bedenken Sie immer: Wie oft müssen Sie sich im Nachgang bei Ihren Kunden rechtfertigen und was passiert dann? Richtig! Die Kunden hauen ab.

Ich denke, die Richtung ist soweit klar. Lassen Sie uns trotzdem die wichtigsten Punkte nocheinmal ansehen:

  • Sie können auf jeden Fall einen passenden Anwalt finden
  • Die Auswahl sollte der eines Lieferanten folgen (Branchenerfahrung, Betriebsgröße, Erfolgsbilanz, Referenzen)
  • Achten Sie auf Fehler!
  • Ziehen Sie regelmäßig (jährlich) Bilanz
  • Akzeptieren Sie nur begrenzt Rechtfertigungen
  • Geben Sie Feedback

Ich hoffe, Sie haben gute Tipps aus diesem Beitrag mitnehmen können. Falls Sie weitere Fragen haben, sprechen Sie mich jetzt an.


Krankenkassen und KMUs haben eine schwierige Beziehung. Das muss aber nicht so sein. freestocks-vcPtHBqHnKk-unsplash-scaled.jpg

Krankenkassen und KMUs

Bei den Krankenkassen habe ich heute ein Beispiel aus meiner Erfahrung für Sie, bei dem die Beziehung über die Jahre deutlich besser geworden ist. Im Verlauf werde ich Ihnen zeigen, wie mein Eindruck sich mit der Zeit verändert hat. Dazu später mehr.

Ich habe in einem früheren Beitrag Bezug auf die verschiedenen Krankenversicherungen genommen. Lesen Sie hier mehr darüber. Wir gehen in diesem Beitrag auf die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Krankenkassen ein.

Enger Kontakt mit Krankenkassen

Die meisten Unternehmen, die Mitarbeiter beschäftigen, haben regen Kontakt mit den Versicherern. Dabei geht es einmal um die Beitragsanmeldung, die am sechstletzten (nicht mehr fünftletzten wie früher!) Bankarbeitstag eines Monats bis 24:00 Uhr erfolgen müssen. Dann gibt es immer mal wieder Diskussionsbedarf wegen Missverständnissen (Mitarbeitende melden sich um und sagen nicht Bescheid…) oder Fragen (ob Mitarbeitende noch bei Ihnen beschäftigt sind).

Probleme mit Krankenkassen

Wenn Sie Missverständnisse mit größerer Tragweite haben wie zum Beispiel die Aufdeckung von Fehlzahlungen über längere Zeiträume, kann das richtig anstrengend und/oder richtig teuer werden! Beachten Sie bitte, dass auch Krankenkassen zu den wahrscheinlicheren Anmeldern für eine Unternehmensinsolvenz in Ihrem Unternehmen gehören. Ja, Sie haben richtig gehört. Wenn Sie den Sozialversicherungsträgern größere Beträge schulden und sich nicht um die Zahlung oder Lösung des Problems bemühen, können diese Insolvenz für Sie anmelden und tun dies auch regelmäßig.

Prüfungen durch Krankenkassen

Auch Sozialversicherungsträger führen auf Hinweis oder auch regelmäßig Prüfungen bei Betrieben durch. Hierbei wird untersucht, ob die notwendigen Beiträge auch sauber abgeführt wurden. Ich selbst habe Erfahrungen in dem Bereich gemacht. Es ist glücklicherweise sehr gut verlaufen, doch die Gefahren sind potenziell groß! Hier gelten meines Erachtens die gleichen Strategien, wie bei einer Lohnsteueraußenprüfung oder Umsatzsteueraußenprüfung des Finanzamts.

Lösungsansatz

Krankenkassen sind aus meiner Erfahrung als Personaldienstleister (mit natürlicherweise riesigen Beitragszahlungen) sehr kooperativ, wenn Sie es sind. Ein reger Kontakt mit den Hotlines ist der erste Schritt zu einer stets relativ entspannten Situation. Überdies muss beachtet werden, dass die Erledigung der Lohnabrechnungen durch einen Steuerberater Sie von Prüfungen ganz entbindet und Ihre Risiken dahingehend minimiert.

Wenn Sie einmal ein richtig üppiges Problem mit Krankenkassen haben, sollten Sie unbedingt Kontakt aufnehmen. Wenn Sie nämlich nicht aufpassen, kann man Ihnen schnell die Hinterziehung von Sozialversicherungsbeiträgen vorwerfen. Sollte man Sie dafür schuldig sprechen, ist auch eine Gefängnisstrafe auf dem Tisch. Insofern ist die Flucht nach vorne in meinen Augen die beste Strategie.

Fazit

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Sie in der Regel sehr gut mit Krankenkassen diskutieren können, sofern Sie die nötige Ruhe an den Tag legen. Lassen Sie sich nicht hinreißen. Man hört Ihnen zu und sucht gemeinsam nach einer Lösung. Im krassen Gegensatz zum Finanzamt erscheinen mir die Krankenkassen wirklich kooperativ, selbst wenn es Probleme gab oder gibt.

Haben Sie eine schwierige Situation mit Krankenkassen? Sprechen Sie mich jetzt an und wir finden eine Lösung!


Die Krankenkasse spielt für viele Menschen eine untergeordnete Rolle. Dabei gibt es viele Möglichkeiten diese zu nutzen. marvin-meyer-SYTO3xs06fU-unsplash-scaled.jpg

Krankenkasse und Krankenversicherung

Zunächst einmal der einfache Überblick darüber, was eine Krankenkasse für die einzelnen Gruppen bedeuten. Schauen Sie rein.

Gesetzliche Krankenversicherung über die Krankenkasse

Als Privatperson in Deutschland gehören Krankenkassen zum „notwendigen Repertoire“ da Sie, unabhängig von Ihrem beruflichen Status oder Einkommen eine Krankenversicherung benötigen. Angestellte unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze sind üblicherweise bei einer gesetzlichen Krankenversicherung oder Krankenkasse (auch manchmal „Ersatzkasse“ genannt) versichert.

Einmal ausgesucht, dann vergessen

Üblicherweise suchen Sie sich mit Beginn des Berufslebens eine Krankenkasse aus und bleiben dann bei dieser. Das ist natürlich abhängig von Interessen und Erfahrungen. Bietet eine andere Krankenkasse bessere Leistungen oder niedrigere Beiträge, kündigen wir unsere Krankenversicherung und wechseln zu einer neuen. Wir müssen es aber erstmal bemerken. Dies teilen wir dem Arbeitgeber mit und fertig ist die Laube.

Zusätzliche private Krankenversicherung

Seit einigen Jahren gibt es einen Trend hin zur zusätzlichen privaten Krankenversicherung. Neben Zusatzleistungen wie Einbett-Zimmer, Zahnzusatzversicherung und sonstigem „Luxus“ bieten private Zusatzversicherungen Ihnen eben die Dinge an, die sonst nur den „Privatversicherten“ zugutekommen.

Private Krankenversicherung

Wenn Sie im Laufe Ihrer Karriere oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdienen (58.050 Euro in 2021), werden Sie in der Regel darüber informiert und können in die private Krankenversicherung wechseln. Sie können auch hier zahlreiche Anbieter mit vielen unterschiedlichen und teils komplexen Modellen finden. Auch als SelbstständigeR können Sie sich – unabhängig von Ihrem Einkommen – ausschließlich privat versichern. Meist bietet Ihnen dies den Vorteil, dass private Krankenversicherungen durch den relativ exklusiven Kundenkreis weniger Beiträge nehmen. Begründet liegt dies in der geringeren Auszahlungsquote weil Langzeitkranke in der Regel nicht zu diesen Versicherten zählen und deshalb einfach weniger Rücklagen gebildet werden müssen.

Weitere entscheidende Unterschiede für Sie sind oft bessere Leistungen und teils auch schnellere Terminierung beim Arzt. Der weniger „schöne“ Aspekt ist, dass Privatversicherte gegenüber Ärzten als „Selbstzahler“ auftreten und erst gegen Einreichung der Belege (manchmal nur eine teilweise) Rückerstattung erhalten. Dies kann zu Problemen führen, wenn Sie als Selbstständige Fluktuationen im Einkommen haben. Sie sollten deshalb stets darauf achten, dass Krankenhauskosten (welche in der Regel wirklich teuer sind) immer gleich und zu 100% erstattet werden. Ansonsten ist ein privater Bankrott durchaus denkbar für Sie.

Beamte sind privat versichert

Meines Wissens nach sind die meisten Beamten privat krankenversichert. Anders als normale Angestellte haben sie aber einen essenziellen Vorteil: Die Beihilfe! Beamte können Ausgaben für Arztkosten bei der Beihilfe anmelden und erhalten diese sehr schnell zurück, sodass kein oder nur ein geringer Verzug in der Erstattung auftritt, was zu einer deutlichen Verbesserung der Liquidität führt.

Freiwillig gesetzlich Versicherte

Wenn Sie oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdienen oder selbstständig sind, können Sie sich auch für eine freiwillige gesetzliche Krankenversicherung entscheiden. Ebenso wie bei der freiwilligen Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung sind Sie so besser abgesichert, da bestimmte Umstände eine private Versicherung ungünstig oder sogar unmöglich machen können. Hierbei sollten Sie beachten, dass die gesetzlichen Varianten zwar teils um ein Vielfaches teurer sind, Sie aber im Fall der Fälle nicht auf den Kosten sitzen lassen. Es handelt sich dabei um eine möglicherweise höchst kritische Entscheidung, die Sie nicht unüberlegt treffen sollten.

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Die Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis ist die Grundlage für gewerbsmäßige Überlassung von Arbeitskräften in Deutschland. adeolu-eletu-rFUFqjEKzfY-unsplash-scaled.jpg

Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis beantragen

Zeitarbeitsfirmen und andere Personaldienstleister sind heute schon lange nicht mehr die einzigen die eine Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis beantragen wollen. Viele Konzerne bedienen sich seit Jahrzenten der Arbeitnehmerüberlassung und auch kleine Handwerksbetriebe überlassen Personal.

Auch ohne Erlaubnis Arbeitnehmer überlassen

Im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (kurz AÜG) steht, dass Sie keine Erlaubnis brauchen, um in unregelmäßigen Abständen und bei Auftragsengpässen Ihr eigenes Personal an Branchenkollegen zu überlassen. Dabei gibt es nur ein Problem: Branchenkollegen nennt man auch Wettbewerb. Deshalb ist dies oft nicht das erste Mittel der Wahl.

Wie man eine Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis bekommt

Außerdem geht es ja um die hauptberufliche Arbeitnehmerüberlassung. Diese erfordert eine entsprechende Erlaubnis. Man nennt sie auch AÜ-Erlaubnis. Diese beantragen Sie bei der für Ihre Region zuständigen Agentur für Arbeit. Für Hessen ist dies Düsseldorf (ironisch, ich weiß!). Auch Betriebe außerhalb von Deutschland können in Deutschland eine Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis beantragen. Offengestanden kann ich nur mutmaßen, in welcher Situation das notwendig werden könnte.

Um eine Arbeitnehmerüberlassungerlaubnis zu beantragen müssen Sie zunächst einen entsprechenden Antrag ausfüllen, den Sie bei der Agentur für Arbeit online finden. Dort steht – mehr oder weniger – deutlich, was Sie liefern müssen, um eine Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis zu beantragen.

Geheimtrick

Hier kommt der erste Geheimtrick: Während es intuitiv so erscheint, dass man alle Unterlagen zusammentragen sollte, bevor man den Antrag stellt, spart man sich unendlich viel Zeit und Arbeit, wenn man den Antrag erstmal ausfüllt und wegschickt. Die griffbereiten Unterlagen (Gewerbeanmeldung, ggf. Handelsregisterauszug und dergleichen) hängt man an und schickt das ganze per Fax oder Post zur zuständigen Agentur. Bei der Bearbeitungsfrist zählt nämlich der Eingang des Antrags, nicht der vollständigen Dokumentation.

Besonders schlau: Wenn Sie den Antrag verschickt haben und hinreichend sicher sind, dass dieser schon eingegangen ist, nehmen Sie das Telefon zur Hand. Im telefonischen Austausch erfahren Sie dann, welche Unterlagen wirklich benötigt werden. Meist muss nämlich nicht alles geliefert werden, da die Unterlagen verschiedene Unternehmenssituationen abdecken die nicht alle auf Sie zutreffen.

Wer zuerst kommt, malt zuerst

Wenn Sie also wissen, welche Unterlagen Sie einreichen müssen, kümmern Sie sich umgehend um deren Einreichung. Es ist erstaunlich simpel. Nach mehr als sechs Jahren als Erlaubnisinhaber kann ich das mit Sicherheit sagen.

Doch Vorsicht: Als ErlaubnisinhaberIn sind Sie in einer verantwortlichen Position gegenüber der Agentur für Arbeit als erlaubnisausstellende Behörde und diese muss sich ggf. in Prüfungen für die Erteilung und Verlängerung rechtfertigen.

Wenn Sie also in der Vergangenheit Probleme mit dem Gesetz, der Schufa oder anderen unternehmertypischen Hürden hatten, werden Sie vielleicht eine Ablehnung erhalten. Es geht dabei um Ihre Zuverlässigkeit also die Wahrscheinlichkeit, mit der Sie auf lange Sicht weder betrügen, noch signifikante Fehlentscheidungen treffen, noch sonstige Dinge tun, die Ihre Mitarbeitenden gefährden.

Haftungsfalle Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis

Außerdem haften Sie persönlich (auch als Mitarbeiter in einem Unternehmen) für die unter Ihrer Aufsicht geschehenen Fehltritte. Ja, ich meine das ernst! Sie sind nicht geschützt. Auch wenn Ihr Arbeitgeber Sie nicht rauswirft, abmahnt oder verklagt, das Arbeitsamt kommt direkt zu Ihnen und Sie zahlen teils signifikante Beträge als Strafe, selbst wenn Sie keine Fehler gemacht haben.

Die wichtigsten Unterlagen

Hier noch mal die wichtigsten Unterlagen für die Beantragung der Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis:

  • Antrag (sofort, Rest später)
  • Ausweiskopie
  • Gewerbeanmeldung
  • (Handelsregisterauszug)
  • Mittelnachweis (mindestens 10.000,- € Vermögen oder 2.000,- € x Anzahl Leiharbeiter)
  • Quittung über Beantragung Führungszeugnis für Behörden (Belegart 0)
  • Beleg über Beantragung Gewerbezentralregisterauszug auch GZR genannt (Belegart 0)
  • (Quittung über Beantragung GZR für juristische Person soweit notwendig)
  • Vorlage Arbeitnehmerüberlassungsvertrag
  • Vorlage Arbeitsvertrag Leiharbeitende

Lesen Sie sich bitte nochmal im Antrag alles durch aber ich denke, dass sind die wichtigsten Unterlagen gewesen. Im Gespräch erfahren Sie, welche dieser Unterlagen eher nicht oder später benötigt werden.

Bearbeitungsfrist für die Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis

Wenn Sie alles wie gewünscht eingereicht haben, sollten Sie spätestens binnen 3 Monaten eine Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis im Briefkasten haben. Wenn Sie schnell alles liefern und freundlich hartnäckig sind, vielleicht auch früher.

Falls etwas fehlt, wird die Agentur für Arbeit sich mit Nachforderungen schriftlich an Sie wenden. Keine Sorge! Sie können die Unterlagen dann einfach nachreichen. Das ändert in der Regel nichts an der Frist.

Ich hoffe ich konnte Ihnen zeigen, wie simpel die Beantragung einer Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis ist. Falls Sie Hilfe dabei brauchen, sprechen Sie mich jetzt an!